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Data Sharing: vom Mehrwert des Teilens

Industrie 4.0 ermöglicht Innovationen und Effizienzsteigerungen in der österreichischen und europäischen Industrie. Daten spielen dabei eine zentrale Rolle – die Verfügbarkeit unterschiedlicher Datensätze wird zunehmend zum Wettbewerbsvorteil. Dem Austausch von Daten innerhalb und zwischen Unternehmen („Data Sharing“) wird viel wirtschaftliches Potenzial zugeschrieben.

Data Sharing ist daher ein Thema, mit dem sich die Plattform Industrie 4.0 zunehmend beschäftigt. In einem ersten Workshop, der im Dezember 2020 gemeinsam mit der Wirtschaftsagentur Wien organisiert wurde, wurde das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet.

Die politische Perspektive: Daten als Schwerpunkt

Datensammlung, Datenanalyse und der Austausch von Daten zwischen unterschiedlichen Akteuren im produzierenden Bereich werden von Seiten der österreichischen Politik und Verwaltung als wichtige Zukunftsthemen wahrgenommen. Einerseits werden durch gezielte Förderungen (z.B. Bilaterale Ausschreibung AT-DE zu Big Data in der Produktion) Forschung und Entwicklung im Umgang mit Daten direkt incentiviert. Andererseits unterstützt das Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) auch den Aufbau und die Entwicklung von Technologieplattformen.

Eine solche Technologieplattform ist die Data Intelligence Offensive“ (DIO). Ziel der DIO ist der gezielte Aufbau des österreichischen Daten-Ökosystems. Unternehmen aus dem Bereich der Datenwirtschaft können innerhalb der DIO in Arbeitsgruppen zu unterschiedlichen Themen mitarbeiten (z.B. zu Datenschutz oder Mobilität). Außerdem arbeitet die DIO an so genannten „Datenkreisen“, die den konkreten Datenaustausch in einem bestimmten Anwendungsbereich umsetzen sollen. Operativ ermöglicht wird dieser Austausch bzw. die Verbindung verschiedener Data Hubs beispielsweise durch die Software des Unternehmens Nexyo als Mitglied der DIO.

Die wirtschaftliche Perspektive: Daten als Geschäftsmodell

Daten sind für produzierende Unternehmen häufig die Grundlage für Verbesserungen rund um Effizienz und Produktivität. Viele Unternehmen sammeln bereits eigene Daten, analysieren diese und ziehen Schlüsse daraus. Für die Verbesserung der Datenanalyse und der daraus resultierenden Schlussfolgerungen wird dem Teilen von Produktionsdaten zwischen Abteilungen und zwischen Unternehmen großes Potenzial zugeschrieben.

Als Anbieter digitaler Energie- und Automatisierungslösungen ist Schneider Electric ein Unternehmen, das im Umgang mit Daten mit der Plattform „Schneider Electric Exchange“ bereits sehr aktiv ist. Die Plattform soll Endbenutzer, Technologiepartner und IoT-Fachleute miteinander vernetzen, ihnen den sicheren Datenaustausch und damit eine erfolgreiche Zusammenarbeit ermöglichen. Die Einführung der vorausschauenden Wartung, die Verbesserung der betrieblichen Effizienz oder die Erhöhung der Handlungsfähigkeit von MitarbeiterInnen kann mit Hilfe von Daten erreicht werden. Dabei setzt Schneider Electric auf offene Standards, denn: Wenn Daten sauber, strukturiert und gut aufbereitet (i.e. schnell weiterverwendbar) sind, dann sind Daten tatsächlich das „neue Gold“.

Data Sharing ist auch der Kern des Geschäftsmodells der oberösterreichischen Firma Tributech. Das Fundament dafür: Vertrauen. Sobald man Daten teilt gibt man Einblicke, teilweise in das Innerste des eigenen Unternehmens. Die Wahrung von Geschäftsgeheimnissen und hohe Sicherheitsstandards müssen daher garantiert werden können, damit das Teilen von Daten unternehmensübergreifend umgesetzt werden kann. Hier setzt Tributech an: Ein „DataSpace Hub“ verbindet als vertrauensvolle Instanz zwei Kooperationspartner, die jeweils die Hoheit über ihre eigenen Daten behalten. Mit Hilfe lokaler Signaturen und via Hashing wird die notwendige Sicherheit für die Datenübertragung über Unternehmensgrenzen hinweg sichergestellt. Die Kombination der Technologien ermöglicht schließlich den Peer-to-Peer-Datenaustausch ohne zentrale Speicherung, wodurch z.B. Pay-Per-Use-Geschäftsmodelle sicherer umgesetzt werden können.

Die akademische Perspektive: Daten im Mittelpunkt der Forschung

Auch auf wissenschaftlicher Ebene ist Data Sharing Thema bei Initiativen und Projekten, so zum Beispiel im Horizon 2020 Projekt „Safe-DEED“. Safe-DEED soll Unternehmen die Nutzung ihrer Daten erleichtern und damit ultimativ die Wettbewerbsfähigkeit Europas erhöhen. Die gemeinsame, institutionsübergreifende Verwendung von Daten steht im Fokus des Projekts. Im Rahmen von Safe-DEED, bei dem von österreichischer Seite u.a. das Grazer Know-Center als Forschungsinstitution mit dabei ist, werden auch Tools entwickelt, die daten-basierte unternehmerische Aktivitäten vereinfachen sollen: Die Safe-DEED Data Map soll dabei helfen, passende Datenquellen im Unternehmen zu identifizieren, die Data Service Cards dienen als Inspiration zur Entdeckung datenbasierter Geschäftsideen und das Data Driven Business Canvas hilft bei der Entwicklung eines dazu passenden Geschäftsmodells.

Darüber hinaus beschäftigt sich in Wien Aspern das Austrian Center for Digital Production (CDP) mit dem Austausch von (Maschinen-)Daten. Mit Hilfe der Software Centurio werden in einem ersten Schritt vorhandene Komponenten im bestehenden System miteinander verknüpft und Daten zusammengeführt. Die Daten können anschließend für die interne und externe Qualitätssicherung und für den Datenaustausch verwendet werden. Um den firmenübergreifenden Datenaustausch zu ermöglichen, wird zuerst eine Prozessdatenmatrix erstellt, in der die Daten nach Vertraulichkeit klassifiziert werden. Anschließend werden ausgewählte Daten über einen Datentreuhänder weitergegeben. Der Datentreuhänder stellt in diesem Fall eine Art Notar dar und sollte eine Organisation sein, der man die eigenen Daten auch anvertrauen kann.

Wir freuen uns sehr über die zahlreichen TeilnehmerInnen. Wir bedanken uns bei der Wirtschaftsagentur Wien für die Kooperation und bei Hrn. Friedrich Seyr und Fr. Lisa Höllbacher (beide DIO), Hrn. Sagmeister (Schneider Electric), Hrn. Sztatecsny (Tributech), Hrn. Breitfuß (Know-Center) und Hrn. Pollak (CDP) für die spannenden Inputs!

Die Veranstaltung wurde innerhalb der ExpertInnengruppe Neue Geschäftsmodelle der Plattform Industrie 4.0 organisiert. Sollte Ihr Unternehmen Mitglied, aber Sie nicht auf dem Verteiler der ExpertInnengruppe Neue Geschäftsmodelle sein, melden Sie sich gerne bei michael.fellner@plattformindustrie40.at.

Sollten Sie noch kein Mitglied sein, freuen wir uns ebenfalls über Ihre Kontaktaufnahme!

Beitragsbild: Markus Spiske auf Unsplash und iconmonstr

Data Sharing
Michael Fellner