Welche Kompetenzen werden zukünftig gebraucht?

Der Frage, wie sich der Kompetenzbedarf aufgrund der fortschreitenden digitalen Transformation in der Produktion verändern wird, wurde beim Workshop der Plattform Industrie 4.0 unter dem Titel „Future Skills in der Produktion“ am 21. März 2024 nachgegangen. Im Rahmen des EU-Projektes Bridges 5.0 wurde der Workshop organisiert, an dem sich 30 Vertreter:innen der Plattform mit unterschiedlichen Perspektiven anhand konkreter Berufe über verändernde Kompetenzanforderungen an Mitarbeiter:innen am Shopfloor austauschten.

Die digitale Transformation in der Produktion und die Integration von Human-Machine-Interfaces, kollaborativer Robotik, IIoT, KI, Big Data, digitalen Zwillingen und vielem mehr bringt nicht nur eine technologische Transformation mit sich, sondern hat auch signifikante Auswirkungen auf die Arbeitsprozesse und Tätigkeitsprofile in der Produktion.

Zu Beginn gab es zwei inhaltliche Inputs zum Thema. Wolfram Rhomberg, AIT, präsentierte Ergebnisse der European Manufacturing Survey (EMS). Seit 2001 wird der EMS von einem Konsortium aus Forschungsinstituten und Universitäten mehrerer europäischer und außereuropäischer Länder organisiert. Untersucht wird die Nutzung von Prozessinnovationen in der Produktion und die damit erzielten Verbesserungen der Leistungsfähigkeit in der Sachgütererzeugung. 50% der Großunternehmen und 20% der KMUs weisen sich durch eine hohe digitale Prozesstiefe aus, und genau dieser Anteil der Betriebe setzt auch auf ein breites Spektrum an Weiterbildungsmaßnahmen. Dabei gibt es keine großen Unterschiede zwischen Groß- und KMU mit hoher digitaler Prozessreife.

Es folgte Manuela Grasmugg, Magna Steyr Graz, sie präsentierte das interne Magna-Projekt zu New Work in der Produktion „Personas in Manufacturing“. Magna hat zur Veranschaulichung der Veränderungen am Shopfloor und daraus resultierenden Herausforderungen der Mitarbeiter:innen elf Tätigkeitsprofile unter die Lupe genommen und Zukunftsvisionen ausgearbeitet. Ausschlaggebend für das Projekt waren die rasante Technologieentwicklung, die digitale Transformation, ein vorherrschender Fachkräftemangel und nicht zuletzt die Erhaltung der Attraktivität des Standortes. Die Ergebnisse der erarbeiteten Personas dienen als Grundlage zur Etablierung von Upskilling-Maßnahmen der Mitarbeiter:innen und sollen laufend adaptiert und angepasst werden sowie auch auf weitere Standorte ausgeweitet werden.

Beim Workshop wurden die Berufe Instandhaltung, Maschinenbedienung und Logistik näher beleuchtet, sowie über Softwareentwicklung, Anlagentechnik und Datenmanagement diskutiert. Allen gemeinsam wurden steigende Anforderungen in den Bereichen der digitalen Kompetenzen, Basis-IT-Kenntnisse, Umgang mit und Interpretation von Daten, Verantwortung für eine breiter gefächerte Aufgabenstellung, Prozesswissen, das Arbeiten im Team, Kommunikationsfähigkeiten und Social Skills identifiziert. Das Ziel des Workshops war es, über zukünftige Kompetenzbedarfe aus unterschiedlichen Perspektiven mit Unternehmen, Verwaltung, Interessensvertreter:innen und Sozialpartnern gemeinsam zu diskutieren und die Veränderungen praxisnah anhand spezifischer industrieller Berufsbilder zu erarbeiten.

Abschließend wurde das EU-Projekt Bridges 5.0 vorgestellt, welches sich mit Industrie 5.0 beschäftigt und den Fokus auf Nachhaltigkeit, Menschzentriertheit und Resilienz legt. Das Projekt analysiert daraus resultierende Auswirkungen auf die Arbeitswelt und welche zukünftigen Fähigkeiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter benötigen werden. Am Smart Production Lab in Kapfenberg untersuchen die FH Joanneum und die Plattform Industrie 4.0, wie digitale Assistenzsysteme dazu beitragen können, Arbeitsplätze in der Produktion (Blue-Collar-Worker) aufzuwerten und welche Skills benötigt werden. Das erste Deliverable aus dem Projekt können Sie unter dem Link lesen: Towards making human centricity, resilience and sustainabilty tangible

Vielen Dank an alle Teilnehmer: innen!

Jasmina Schnobrich-Cakelja