Am 7. April 2026 fand der mittlerweile 14. Check-In zum digitalen Produktpass (DPP) der Plattform Industrie 4.0 statt. Ziel der regelmäßig stattfindenden Online-Reihe ist es, aktuelle Entwicklungen rund um den DPP kompakt aufzubereiten und gleichzeitig Raum für Austausch und Diskussion innerhalb der Community zu bieten.
Aktuelle Entwicklungen rund um DPP & ESPR
Ein zentraler Schwerpunkt des Webinars lag auf dem aktuellen Stand der europäischen Regulatorik und Standardisierung.
Im Rahmen der Ecodesign for Sustainable Products Regulation (ESPR) schreitet die Einführung des digitalen Produktpasses weiter voran. Für die kommenden Jahre ist eine schrittweise Umsetzung vorgesehen – beginnend mit ersten Produktgruppen wie Batterien, Textilien oder Stahl bis hin zu einer breiten Anwendung über zahlreiche Industrien hinweg bis 2030+.
Parallel dazu laufen intensive Standardisierungsaktivitäten, insbesondere im europäischen Komitee CEN/CLC JTC 24. Erste Normen – etwa zu eindeutigen Identifikatoren und Datenträgern – wurden bereits ratifiziert, während weitere Standards zu Datenformaten, APIs und Interoperabilität aktuell in Entwicklung sind.
Auch auf internationaler Ebene zeichnet sich Bewegung ab: Mit dem geplanten Start des ISO/IEC JTC 5 im Herbst 2026 soll die globale Harmonisierung der DPP-Standards weiter vorangetrieben werden.
Projekte und Initiativen: CIRPASS-2, PASSAT & Co.
Neben regulatorischen Entwicklungen wurden auch wichtige europäische und nationale Initiativen vorgestellt:
- CIRPASS-2: Aktuell läuft eine EU-weite Konsultation, die sich insbesondere mit der Praxistauglichkeit von DPP-Lösungen und spezifischen Herausforderungen für KMU beschäftigt.
- Studien aus dem Projekt zeigen u. a. Potenziale des DPP zur Vereinfachung von Compliance und Reporting sowie die Bedeutung von semantischer Interoperabilität.
- PASSAT (Digital Product Passport Austria) unterstützt österreichische Unternehmen bei der Umsetzung des DPP und entwickelt Referenzarchitekturen und Datenmodelle mit Fokus auf Interoperabilität und Praxisnähe.
- Die Circular Data Platform liefert ergänzende Ansätze für den sektorenübergreifenden Datenaustausch.
Diese Initiativen zeigen deutlich: Der DPP entwickelt sich zunehmend von einem regulatorischen Konzept hin zu einem konkreten Umsetzungsökosystem.
Fachvortrag: Der GS1 Discovery Service
Ein besonderes Highlight des Check-Ins war der Fachvortrag von DI Eugen Sehorz und Dominik Halbeisen (GS1 Switzerland) zum Thema:
„DPP-Daten und mehr einfach finden – der GS1 Discovery Service“.
„DPP-Daten und mehr einfach finden – der GS1 Discovery Service“.
Im Fokus stand die Frage, wie Produktdaten entlang des gesamten Lebenszyklus effizient auffindbar und nutzbar gemacht werden können.
Der vorgestellte GS1 Discovery Service fungiert dabei als zentrale Infrastrukturkomponente:
- Er ermöglicht das Auffinden verteilter Datenquellen (Endpoints) zu einem Produkt
- Unterstützt die Integration entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Herstellung über Nutzung bis Recycling
- Baut auf etablierten GS1-Standards wie Digital Link, EPCIS und eindeutigen Produktidentifikatoren auf
Ein wesentlicher Vorteil liegt im modularen Ansatz: Daten bleiben bei den jeweiligen Akteuren, werden jedoch über standardisierte Mechanismen auffindbar und verknüpfbar gemacht. Damit wird ein wichtiger Beitrag zur Interoperabilität und Skalierbarkeit des DPP geleistet.
Technologische Einordnung des DPP
Im Rahmen des Vortrags wurde auch das technische Zielbild des digitalen Produktpasses skizziert:
- Kombination aus Produktidentifikator, Datenträgern (z. B. QR-Code, NFC) und verteilten Datenquellen
- Zugriff über Webanwendungen oder APIs
- Einbindung eines europäischen DPP-Registers sowie Identity- und Access-Management-Strukturen
Dabei wird zwischen verschiedenen Ausprägungen unterschieden:
- DPP („full“) mit dynamischen Daten entlang des gesamten Lebenszyklus
- DPP light mit statischen Produktinformationen
- Digital Label als einfache digitale Datenrepräsentation ohne Registrierungspflicht
Diese Differenzierung ist entscheidend für die praktische Umsetzung in unterschiedlichen Branchen und Anwendungsfällen.
Austausch, Community und nächste Schritte
Der Check-In unterstreicht erneut den Mehrwert des Formats:
- Niederschwelliger Zugang zu aktuellen Informationen
- Austausch zwischen Unternehmen, Forschung und Verwaltung
- Aufbau einer aktiven DPP-Community in Österreich und darüber hinaus
Auch künftig wird die Plattform Industrie 4.0 regelmäßig über neue Entwicklungen informieren und relevante Veranstaltungen anbieten – von nationalen Webinaren bis hin zu internationalen Konferenzen.
Fazit
Der 14. Check-In zeigt klar:
Der digitale Produktpass befindet sich in einer entscheidenden Phase zwischen Konzept, Standardisierung und konkreter Umsetzung.
Während regulatorische Rahmenbedingungen weiter geschärft werden, entstehen gleichzeitig praxisnahe Lösungen wie der GS1 Discovery Service, die den Weg in die industrielle Anwendung ebnen.
Für Unternehmen lohnt es sich daher, sich bereits jetzt aktiv mit dem DPP auseinanderzusetzen, Pilotprojekte zu verfolgen und frühzeitig Kompetenzen aufzubauen.