7. Webinar KI Use Cases & Future Skills

Am 28. Mai lud die Plattform Industrie 4.0 zur siebten Ausgabe des Webinars zu KI Use Cases & Future Skills ein, das im Rahmen des  Interreg AT-SK Projektes „Twin City Future Innovation Manufacturing Hub“ unter dem Schwerpunkt Arbeit 5.0 organisiert wird.

Rania Wazir (leiwand.ai) und Thomas Doms (TÜV AUSTRIA) gaben als Vortragende zentrale Einblicke in die Frage, wie Künstliche Intelligenz sicher, nachvollziehbar und vertrauenswürdig gestaltet werden kann.

KI-Standards als Grundlage für den AI Act

In ihrem Vortrag erläuterte Rania Wazir, Co-Founder und CTO bei leiwand.ai, die zentrale Rolle der Standardisierung bei der Umsetzung des europäischen AI Act. Ziel der Verordnung ist es, ein hohes Schutzniveau für Gesundheit, Sicherheit, Grundrechte und Demokratie sicherzustellen. Standards sollen Unternehmen dabei unterstützen, diese Anforderungen in der Praxis umzusetzen.

Im Fokus stehen die sogenannten „Essential Requirements“ des AI Act, darunter Risikomanagement, Datenqualität, Transparenz, menschliche Aufsicht, Robustheit, Genauigkeit und Cybersecurity. Für diese Bereiche werden derzeit auf europäischer Ebene harmonisierte Standards entwickelt. Es wurde deutlich, dass die Standardisierung ein komplexer und zeitaufwändiger Prozess ist. Obwohl die Europäische Kommission die Entwicklung der Standards bereits 2023 beauftragt hatte, befinden sich viele Dokumente noch in der Abstimmung oder öffentlichen Konsultation.

Die ersten Standards werden voraussichtlich ab 2027 vollständig verfügbar sein. Besonders wichtig ist die Übersetzung der rechtlichen Anforderungen des AI Act in technische Qualitätsmerkmale. Am Beispiel der „Accuracy“ wurde gezeigt, dass die reine Genauigkeit eines KI-Modells oft nicht ausreicht. Entscheidend ist vielmehr, ob ein System seine vorgesehene Aufgabe zuverlässig erfüllt und dabei unterschiedliche Nutzergruppen fair behandelt. Standards helfen dabei, geeignete Metriken auszuwählen, Testergebnisse nachvollziehbar zu machen und die Vergleichbarkeit von KI-Systemen sicherzustellen. Sie schaffen damit eine wichtige Grundlage für die Entwicklung, Bewertung und Zertifizierung vertrauenswürdiger KI.

KI bei TÜV AUSTRIA

Thomas Doms, Head of Research Development & Innovation bei TÜV AUSTRIA, zeigte in seinem Vortrag, wie die Unternehmensgruppe Künstliche Intelligenz nicht nur prüft und bewertet, sondern auch selbst erfolgreich einsetzt. Mit der Tochtergesellschaft Trustify unterstützt TÜV AUSTRIA gemeinsam mit der SCCH (Software Comepetnce Center Hagenberg) Unternehmen dabei, KI-Systeme sicher, regelkonform und vertrauenswürdig zu gestalten. Dazu gehören Audits, Compliance-Prüfungen sowie die Bewertung von Datenschutz-, Sicherheits- und Qualitätsanforderungen.

Auch innerhalb der Unternehmensgruppe spielt KI eine wichtige Rolle. Neben Standardlösungen entwickelt TÜV AUSTRIA eigene Anwendungen, die Prozesse effizienter machen und Mitarbeitende unterstützen. Zu den aktuellen Anwendungsbeispielen zählen ein KI-gestützter Sachverständigenassistent zur Erstellung von Prüfberichten, KI-Unterstützung im Cyber Security Operations Center sowie der neue Website-Assistent „Adam“, der Kunden bei der Suche nach Informationen und Dienstleistungen unterstützt. Grundlage für die Entwicklung und Bewertung der KI-Systeme ist ein eigener KI-Prüfkatalog mit rund 400 Prüfkriterien. Im Fokus stehen dabei Datenqualität, funktionale Korrektheit, Cybersecurity, Transparenz und menschliche Aufsicht. Ein zentrales Prinzip bleibt dabei stets erhalten: Bei sicherheitsrelevanten Entscheidungen bleibt der Mensch in der Verantwortung. KI unterstützt Expertinnen und Experten, ersetzt sie aber nicht.

Der Vortrag betonte, dass vertrauenswürdige KI nicht nur leistungsfähige Technologie, sondern vor allem klare Prozesse, Qualitätsstandards und verantwortungsvollen Einsatz erfordert.

 

Pixabay