Neuigkeiten rund um Manufacturing-X, Catena-X und zum Datenaustausch in der Produktion

Data Spaces & Co. sind für die österreichische Produktion ein spannendes Zukunftsthema. In regelmäßigen „Check-Ins“ informiert die Plattform Industrie 4.0 daher über Neuigkeiten zum Datenaustausch in der Produktion. Dieser Artikel fasst die wesentlichen Inhalte des Check-Ins von April 2026 kurz zusammen. Protokolle und Einladungen zu weiteren Check-Ins werden über den Verteiler der Domain Manufacturing verschickt.

Manufacturing-X & Factory-X: Neuigkeiten und Updates

Zur Erinnerung: Hinter „Manufacturing-X“ verbirgt sich eine Reihe an Projekten, die den Datenaustausch in verschiedenen Teilen der Produktion umsetzen wollen. Initiiert und finanziert werden die verschiedenen Manufacturing-X-Projekte primär aus Deutschland. Im Bild sieht man einige der Bereiche/Projekte rund um Manufacturing-X. In den letzten Jahren haben wir einige davon in unseren Check-Ins behandelt:

Grafische Darstellung verschiedener Manufacturing-X-Projekte

Manufacturing-X Projektübersicht, Quelle: BMWE

Viele Manufacturing-X-Projekte laufen heuer aus. Dazu zählen z.B. das größte Projekt Factory-X (Juni), aber auch die Projekte Aerospace-X (Juni) oder Semiconductor-X (September). Einerseits bedeutet das, dass viele Projekte heuer ihre volle Wirkung entfalten und ihre Ergebnisse liefern müssen. Andererseits bedeutet das, dass sich am Ende des Jahres zeigen wird, welche Projekte in welcher Form Wirkung über die Projektlaufzeit hinaus entfalten.

In Manufacturing-X wurden verschiedene Gremien geschaffen – derzeit wird überlegt, wie man diese verstetigen kann. Ziel ist es, die über die verschiedenen Gruppen abgedeckten Tätigkeiten auch nach Auslaufen der Fördermittel weiterzuführen. Mit der österreichischen Plattform Industrie 4.0 sind wir im International Manufacturing-X Council, IMXC, vertreten.

Die große Herausforderung ist es, die Projektergebnisse in die operative, industrielle Anwendung zu überführen. Dabei gilt es, die wirtschaftliche Tragfähigkeit rund um den Datenaustausch in der Produktion sicherzustellen. Die Manufacturing-X-Projekte bauen auf ähnlichen Technologie-Bausteinen auf, die in Summe ein interoperables Datenökosystem ergeben sollen:

Manufacturing-X, Visualisierung des Zukunftsbildes

Entwicklung des Manufacturing-X Projekt-Ökosystems, Quelle: Factory-X Customer Sounding Board von 5. März 2026

Beispiel Factory-X-Projekt: Insgesamt werden im Projekt elf verschiedene Anwendungsfälle Offen ist aus unserer Sicht, welche davon bis zum Projektende live und im industriellen Einsatz sind oder ob nicht-Projektbeteiligte daran partizipieren können.

Manufacturing-X Architektur: MX-Port Updates

Die Technologie-Bausteine und die Gesamt-Architektur von Manufacturing-X wurden im letzten Jahr signifikant weiterentwickelt. Im Fokus der Architektur steht das Konzept des MX-Ports, das im Factory-X-Projekt entwickelt wurde. Es wurde dabei versucht, ein konzeptionelles Modell zu entwickeln, das in verschiedenen technischen Ausbaustufen eingesetzt werden kann, um möglichst vielen Firmen mit bestehenden IT-/OT-Systemen den Anschluss an Manufacturing-X-Projekte zu erleichtern.

Der MX-Port ist heute in drei Ausprägungen verfügbar. Den unterschiedlichen Ausprägungen liegen Architektur-Entscheidungen zugrunde, die momentan regelmäßig aktualisiert werden. Die drei Ausprägungen heißen Hercules, Leo und Orion.

Die Hercules-Implementierung des MX-Ports baut auf Catena-X und den dort verwendeten Standards Das Dataspace Protocol (DSP) und das Decentralized Claims Protocol (DCP) kommen zur Anwendung. Im Bereich der Datenspeicherung und -nutzung setzt man auf die Asset Administration Shell (AAS). Über Tractus-X, die Software, die Catena-X zugrunde liegt, sollen die Hercules-Bausteine in Zukunft genutzt werden können.

Die Orion-Implementierung des MX-Ports setzt wiederum auf OPC UA. Der Datenaustausch soll ermöglicht werden, ohne dass ein semantischer Bruch notwendig wird. Das DSP und das DCP werden in Kombination mit OPC UA verwendet, um v.a. bei Firmen anzudocken, die OPC UA bereits nutzen.

Der MX-Port Leo setzt auf die Nutzung der AAS. Eine möglichst niederschwellige Implementierung steht im Fokus. Statt DSP & DCP können auch eigene, bereits im Einsatz befindliche Systeme verwendet werden, z.B. rund um die Identifikation.

Manufacturing-X: Zukunft und Ausblick

Als österreichische Plattform Industrie 4.0 haben wir heuer wieder an der Hannover Messe teilgenommen. Die Eindrücke von dort, insb. bezüglich des Datenaustauschs in der Produktion, werden wir im nächsten Check-In

Bereits festhalten kann man, dass die Anwendungsebene in den Fokus rückt. Data Spaces können eine Infrastruktur für verschiedene Anwendungen sein, sind aber kein Selbstzweck. Ein gutes Beispiel hierfür, mit starker österreichischer Beteiligung, liefert der Use Case zum digitalen Produktpass aus dem PASSAT-Projekt, der bei der Hannover Messe gezeigt wurde.

Anwendungen rund um KI stehen im Fokus des geplanten IPCEI-AI. Das Projekt wird derzeit konzipiert, geleitet wird das länderübergreifende Vorhaben von Deutschland. Die Verbindung zu Data Spaces & Co. wird dabei mitgedacht. Österreich beteiligt sich nicht am geplanten Projekt, mit der Plattform Industrie 4.0 versuchen wir aber, uns für Möglichkeiten zur Anbindung und Partizipation für nichtteilnehmende Länder einzusetzen. Bis zum Start des IPCEI-AI werden noch einige Monate vergehen.

Langfristig hängt der Erfolg von Manufacturing-X von der Überführung der Konzepte in die industrielle Praxis ab. Technische Bausteine wurden geschaffen und können genutzt und adaptiert werden. Für die Erprobung und das Austesten im eigenen Unternehmen können z.B. Test-before-Invest-Projekte europäischer Digital Innovation Hubs genutzt werden.

Catena-X: Neuigkeiten und Updates

Zur Erinnerung: Catena-X ist ein Data Space der Automobilindustrie. Catena-X wird vor allem von verschiedenen Fahrzeugherstellern, von OEMs, getrieben. Mittlerweile ist auch eine Reihe von Automobilzulieferern im Projekt sehr aktiv. Die Einhaltung von Catena-X-Standards findet immer stärker den Weg in die Vertragsbedingungen des Automobilsektors. BMW ist nach wie vor ein starker Treiber hinter Catena-X, weitere Hersteller sind allerdings ebenfalls aktiv. Neue Releases werden veröffentlicht, zuletzt CX-Titan im März 2026.

Ein Player für die Anbindung an Catena-X ist das deutsche Unternehmen Sovity. Dort hat man mittlerweile zahlreiche Kunden im Bereich der Automobilindustrie an Catena-X angebunden. Zu den Praxisanwendungen zählen u.a. das Zertifikatsmanagement oder die Umsetzung des Product Carbon Footprint.

Seit einiger Zeit kooperiert Catena-X mit der OPC Foundation. Die OPC Foundation ist die Organisation hinter OPC UA. Die Kooperation bezieht sich insbesondere auf die Umsetzung des Digitalen Produktpasses (DPP). Auch bei den technischen Architekturen setzt man auf eine abgestimmte Vorgehensweise:

Vergleich der OPC UA und Catena-X Architekturen

Darstellung der Architekturen von OPC Foundation & Catena-X, Quelle: OPCF Catena-X Whitepaper

Über Cofinity-X dockt Catena-X außerdem bei Amazon Web Services an. Die Applikation “Dataspace OS” kann seit einiger Zeit über den aws Marketplace bezogen werden.

Verschiedene Projekt-Einblicke und -Updates

Projekt „growING“

Im Fokus von growING steht der Datenaustausch im Sondermaschinenbau. Bestehende Tools (Simulation, eCAD, mCAD, ERP, MES) werden über Asset Administration Shells (AAS) und mithilfe der Eclipse Dataspace Components (EDC) angebunden, um einen wachsenden digitalen Zwilling zu ermöglichen. Die AAS wird als Middleware für die Datenspeicherung und die Konfiguration genutzt. Gleichzeitig wird eine angepasste EDC-Variante verwendet, um den Datenaustausch zu ermöglichen. growING nutzt die Testumgebung von ARENA 2036 („ARENA2036-X„).

Projektleiterin von growING ist die Robert Bosch GmbH. Insgesamt sind sieben Partner an Board, das Budget beträgt 12,6 Mio. €, davon werden 6,1 Mio. gefördert. Das Projekt läuft seit November 2024 und soll im Jänner 2027 abgeschlossen werden.

Projekt „EDCar“

Das EDCar-Projekt beschäftigt sich mit dem Austausch von Materialinformationen im Automobilsektor. Die EDC werden genutzt, um während des Automobil-Lebenszyklus bis zum Recycling die Daten-Dokumentation zu verbessern. Dabei stehen einerseits die End-of-Life-Bewertung von Fahrzeugen und andererseits die Messung der Performance und die Bewertung von Komponenten im Produktlebenszyklus im Fokus. Produktdaten selbst werden nicht automatisch geteilt, sondern nur auf Anfrage freigegeben.

EDCAR ist Teil der Projektfamilie PMD-X der deutschen Plattform MaterialDigital. Dabei ist es das Ziel, verschiedene Vorarbeiten aus dem Materialbereich mit Data Space Projekten wie Catena-X zu verbinden – ein weiteres Projekt ist AeroMatPass-X, das an Aerospace-X anknüpft.

Geleitet wird EDCar vom Fraunhofer IWM. Beteiligt sind verschiedene Industriepartner, darunter BASF, die BMW AG, LRP Autorecycling, Bosch und Schaeffler. Das Projekt läuft seit Juli 2025 und soll Ende Juni 2026 fertig umgesetzt sein.

Projekt „DataFleX“

Das DataFleX-Projekt verbindet den Automobilbereich mit der Energiebranche. Konkret sollen die Datenräume Catena-X und energy data-X miteinander verknüpft werden. Umsetzen möchte man v.a. praktische Anwendungsfälle, darunter die datentechnische Ermöglichung von Elektroautos als Energiespeicher sowie die Erprobung von Anreizen für mehr dezentrale Flexibilität im Energiesystem. Eigener Data Space wird keiner gebaut, stattdessen werden Schnittstellen geschaffen, um die Wettbewerbsfähigkeit der beteiligten Akteur:innen zu verbessern.

Für die Umsetzung sind verschiedene Unternehmen der Energiewirtschaft an DataFleX beteiligt. Geleitet wird das Projekt von der deutschen TenneT. Als Technologiepartner sind Siemens und d-fine involviert, die Gesamtkosten belaufen sich auf 12,6 Mio. €, davon werden 7,2 Mio. gefördert. Das Projekt läuft seit Oktober 2025 und soll im Jänner 2027 abgeschlossen werden.

Projekt „SM4RTENANCE“

Im Endspurt befindet sich das SM4RTENANCE-Projekt. Die verschiedenen, im Projekt entwickelten Piloten – darunter auch jene der österreichischen Unternehmen Fill und AVL List – werden inhaltlich finalisiert und miteinander verbunden. Gemeinsam mit dem VDMA wird ein Industrial Data Space Portal für den Maschinenbau entwickelt.

Weitere Projekte

Das sphin-X-Projekt möchte einen Data Space in der Life Science Branche etablieren. Seit November ist dafür ein Demonstrator verfügbar, der auf Catena-X und den EDC aufbaut.

Im Rüstungs- und Verteidigungssektor werden ebenfalls Data Space Aktivitäten gesetzt. Bereits in Umsetzung ist das Projekt Decade-X aus Frankreich. In Deutschland gibt es unter dem Titel „Defence-X“ ein vorgeschlagenes Leuchtturmprojekt.

Weitere Projekte zum Datenaustausch werden aktuell auf- und umgesetzt. Dazu zählen z.B. die Projekte Empower-X im Bereich erneuerbarer Energien, das Projekt Data4NuclearX im Bereich der Kernenergie, RegenAg-X in der Landwirtschaft oder Furniture-X in der Möbelbranche.

Unterschiedliche Projekte wurden in den letzten Monaten abgeschlossen. Dazu zählen u.a. die Projekte DataBri-X und Underpin im Energiebereich oder das Projekt Flex4Res, das sich mit resilienter Produktion beschäftigte.

Weitere wirtschaftliche Aktivitäten

CANCOM und HPE arbeiten in Österreich seit letztem Jahr zu Data Spaces zusammen. Die Services beider Unternehmen können für Umsetzungsprojekte genutzt werden.

Mit DASS-X beschäftigt sich ein Spinoff der deutschen BASF mit Data Spaces. BASF knüpft mit der Ausgründung an Catena-X an. Ziel des Chemiekonzerns ist es, seine Zuliefererbetriebe in den nächsten Jahren in das Catena-X-Ökosystem zu integrieren. Dafür bietet man verschiedene Softwarelösungen an. So sollen z.B. KI-Agenten das Onboarding in einen Data Space erleichtern.

Mit der Verbindung von KI-Agenten und Data Spaces in der Industrie beschäftigt sich auch nexyo. Dabei baut das Wiener Unternehmen auf die AAS, die u.a. als Service angeboten wird.

Gaia-X: Neuigkeiten und Updates

2025 wurde Helmut Leopold in das Gaia-X Board of Directors gewählt. Die Verbindung zwischen dem Gaia-X Hub Austria und der europäischen AISBL wird dadurch gestärkt.

Rund um Gaia-X gibt es verschiedene inhaltliche Neuerungen. Unter anderem wurden ein „Data Transfer Agent“ entwickelt und neue Versionen der Gaia-X-Dokumente veröffentlicht. Ein Fokus von Gaia-X liegt nun auf „Compliance by Design“.

Sonstige Updates

Die Standardisierung rund um Data Spaces schreitet voran. Aktivitäten finden insbesondere in der Eclipse Data Space Working Group Auch das Data Space Support Center beteiligt sich an Standardisierungsaktivitäten.

Die Europäische Kommission arbeitet weiterhin am „Simpl Programme“. Dabei beschäftigt man sich unter anderem mit den Daten und Themen der Energiewirtschaft.

Data Spaces gewinnen in chinesischen Industrieplänen an Bedeutung. Das betrifft sowohl das Big Picture („100 trustworthy Data Spaces“ bis 2028), als auch spezifische Detailpläne der chinesischen Regierung, z.B. im Automobilsektor.

Die FIWARE Foundation ist insolvent. Die FIWARE Software, die auch für die Umsetzung von Datenräumen genutzt werden kann, ist allerdings nach wie vor verfügbar. Aufgelöst wurde auch die Data Space Business Alliance.

Danke und Teilnahme

Danke für den Austausch im 18. Check-In zum Datenaustausch in der Produktion! Schicken Sie uns gerne Kommentare, Ergänzungen oder Kritik an michael.faelbl@plattformindustrie40.at – wir freuen uns über Rückmeldungen aller Art.

Die Check-Ins sind öffentlich und kostenlos zugänglich, Interessierte können sich auf den Verteiler setzen lassen. Ermöglicht werden die Check-Ins aus den Mitteln der Plattform Industrie 4.0 – wir finanzieren uns aus Mitgliedsbeiträgen. Wenn die vermittelten Informationen für Sie einen Mehrwert darstellen, dann freuen wir uns, wenn Sie auch Mitglied der Plattform werden.

Dieses Event wurde durch das Projekt 2CFIMH unterstützt – herzlichen Dank!

Foto von Shubham Dhage auf Unsplash

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