Digitaler Produktpass – Check‑In #13

Rückblick auf das Webinar vom 24. Februar 2026**

Das mittlerweile dreizehnte Check‑In zum Digitalen Produktpass (DPP) fand am 24. Februar 2026 statt und bot erneut einen umfassenden Überblick über den dynamischen europäischen Entwicklungsstand. Die Themen reichten von regulatorischen Updates der ESPR über Fortschritte in CIRPASS‑2 und PASSAT bis hin zu internationalen Aktivitäten und einem Praxisinput zu ECODESIGN+, einem Tool zur schnellen Berechnung des Product Carbon Footprints (PCF).

Wie gewohnt stand der Austausch im Mittelpunkt: Die Check‑Ins ermöglichen einen niederschwelligen Zugang zur komplexen DPP‑Landschaft und bieten allen Teilnehmenden die Möglichkeit, Fragen rund um Datenstrukturen, Schnittstellen, Normung und frühe Produktentwicklungsanforderungen einzubringen.

Aktueller Stand von DPP & ESPR

Die ESPR ist seit 2024 auf Schiene, und 2026 markiert einen entscheidenden Übergang von abstrakten Vorgaben hin zu konkreten produktspezifischen Delegierten Rechtsakten.
Der Überblick zeigt:
  • 2025–2030 Arbeitsplan in Umsetzung
  • Ab 2026 folgen konkrete produktgruppenbezogene Vorgaben, beginnend mit Textilien, Eisen & Stahl
  • DPP für Batterien bereits aktiv, weitere Produktgruppen folgen schrittweise
  • Standardisierung läuft parallel auf Hochtouren in CEN/CENELEC und ISO

Damit wird klar: Unternehmen müssen sich zeitnah vorbereiten – sowohl technisch als auch organisatorisch. Das betrifft End‑to‑End‑Datenketten über den gesamten Lebenszyklus wie auch die Harmonisierung der Datenmodelle bis hinunter zur Lieferkette.

Normungs-Updates: CEN/CLC/JTC 24 & ISO/IEC JTC 5

Besonders hervorzuheben sind die Fortschritte in den europäischen Normungsorganisationen:

CEN/CLC/JTC 24 – “Framework and System”

Folgende Normen befinden sich kurz vor der finalen Abstimmung (fertig bis April 2026):
  • prEN18216 – Data exchange protocols
  • prEN18219 – Unique identifiers
  • prEN18220 – Data carriers
  • prEN18221 – Data storage und persistence
  • prEN18222 – APIs für Lebenszyklus-Management
  • prEN18223 – System interoperability

Ergänzend dazu laufen Begutachtungen zu:

  • prEN18239 – Security & Access Rights
  • prEN18246 – Data authentication & integrity

ISO/IEC JTC 5 – Internationaler Brückenschlag

Ab September 2026 startet das neue Joint Technical Committee auf globaler Ebene. Ziel ist es, zentrale europäische Normen zu harmonisieren und international anschlussfähig zu machen.

EU Timeline: DPP‑Registry

Die EU‑Kommission publizierte im Februar 2026 eine aktualisierte Roadmap zur DPP‑Registry.
Sie zeigt klar:
  • 2025: Infrastrukturvorbereitungen
  • 2026: Pilotierung & technische Finalisierung
  • 2027: Schrittweise operative Einführung

CIRPASS‑2, Circular Data Platform & PASSAT

CIRPASS‑2

Neue Publikationen und Marktanalysen geben wichtige Einblicke:
  • Unternehmen benötigen mehr praktische Unterstützung, Ressourcen und Vernetzung, um DPPs umzusetzen.
  • Klare Gesetzgebung & gezielte Förderung sind zentrale Beschleuniger.
  • Die European Business Wallet bildet künftig eine sichere Basis für Identitäten & Datenaustausch.

Circular Data Platform

Ein Highlight war der neue Bericht zur Reifenindustrie, der zeigt, wie DPP-Daten selbst im Recyclingprozess – vom Schreddern bis zur Neureifenproduktion – durchgängig rückverfolgbar bleiben.

PASSAT

Das österreichische Leitprojekt unterstützt Unternehmen weiterhin bei:

  • der Entwicklung von Referenzarchitekturen,
  • der Schaffung semantischer Datenmodelle und
  • Proof‑of‑Concept‑Umsetzungen für reale Produktlebenszyklen.

PCF‑Tool ECODESIGN+: Einfache Vorbereitung auf den DPP

Wolfgang Wimmer stellte das Tool ECODESIGN+ vor – eine webbasierte Plattform zur schnellen Berechnung von Treibhausgasemissionen und als Vorbereitung für DPP‑Anforderungen.

Die wichtigsten Funktionen im Überblick:

  • PCF-Berechnung entlang des gesamten Lebenszyklus
  • WYSIWYG-Darstellung: Sofort sichtbare Umweltauswirkungen von Designänderungen
  • Checklisten zur Produktverbesserung
  • Variantenvergleich auf Knopfdruck
  • Nutzung eigener Lieferant*innendaten (neues Feature 2026)
  • Wiederverwendbare Bauteilgruppen
  • Datenimport aus Stücklisten

Das Tool ist besonders geeignet für Produktdesigner:innen, Entwickler:innen sowie Hochschulen und Studierende.
Damit wird deutlich: PCF-Berechnung entwickelt sich zu einer Pflichtkompetenz für die DPP‑Vorbereitung.

Kommende Veranstaltungen

Unter anderem:

  • 10. März 2026 – Online‑Workshop „Schritt für Schritt zum digitalen Produktpass“
  • 19. März 2026 – Production & IT, Linz
  • 25. März 2026 – 1. AAS Summit Österreich, Linz
  • 7. April 2026 – DPP Check‑In #14 (online)
  • Internationale Highlights wie
    • Data Sharing Festival (Rotterdam),
    • World Digital Product Passport Summit (Berlin),
    • Reuse Economy Expo (Paris)
    • und viele mehr

Fazit: Der digitale Produktpass wird konkret

Check‑In #13 hat erneut gezeigt, wie schnell sich die DPP‑Landschaft weiterentwickelt.

2026 wird zum Jahr, in dem:
  • Normen finalisiert werden,
  • Delegierte Rechtsakte Form annehmen,
  • Pilotierungen starten und
  • Tools wie ECODESIGN+ die Transformation praktisch unterstützen.
Gemeinsam mit CIRPASS‑2, PASSAT und der Community in Österreich schaffen wir damit die Grundlage für durchgängige, interoperable und zirkuläre Datenflüsse in ganz Europa.