Research Insight: Chinas Position im Umgang mit Künstlicher Intelligenz

Am 27. Jänner 2026 lud die Plattform Industrie 4.0 Österreich zu einem weiteren Research Insight unter dem Titel Chinas Position im Umgang mit Künstlicher Intelligenz mit Schwerpunkt auf Mensch-KI-Teaming in der Arbeitswelt“ ein. Über 50 Teilnehmende nahmen an dem Webinar teil, in dem die im Auftrag der Arbeiterkammer verfasste Studie von der Autorin Doris Vogl präsentiert wurde. In ihrem Vortrag stellte Vogl Chinas gegenwärtige KI-Strategie, ihre Umsetzungsmaßnahmen und industrielle Anwendungsbereiche vor.

Im August 2025 hat China die AI Plus Initiative vorgestellt, welche dem kommenden 15. Fünfjahresplan (2026–2030) vorgreift. Ziel ist eine tiefgreifende Integration von Künstlicher Intelligenz in zentrale gesellschaftliche und wirtschaftliche Bereiche. Bereits bis 2027 soll der Durchdringungsgrad intelligenter Endgeräte und KI-Agenten in Schlüsselsektoren über 70 Prozent liegen; bis 2030 soll die Verbreitung auf mehr als 90 Prozent steigen. KI wird dabei als zentraler Motor einer „Intelligent Economy“ verstanden und bildet zusammen mit Big Data und Quantentechnologien die sogenannten neuen qualitativen Produktivkräfte, die gesellschaftlichen Fortschritt vorantreiben sollen. Die nationale Strategie wird auf regionaler Ebene umgesetzt, unter anderem durch die Einrichtung von KI-Infocentern und spezialisierten Industrieclustern. Ergänzt wird dies durch Kreditprogramme zur Modernisierung, gezielte Talentförderung und Weiterbildungsmaßnahmen.

Im Rahmen des chinesischen Innovationsökosystems stehen mehrere Schlüsselindustrien besonders im Fokus. Dazu zählen humanoide Robotik, die Low-Altitude Economy mit unbemannten Drohnen, smarte urbane Infrastruktur sowie Smart Manufacturing. Für Europa besonders relevant ist die wachsende Rolle Chinas bei internationalen Normungen, etwa im Bereich Pflegerobotik.

Ein weiterer Schwerpunkt der aktuellen Strategie liegt auf Brain-Computer-Interfaces (BCI). Dabei wird zwischen nicht-invasiven Systemen wie Headsets oder Stirnbändern und invasiven Implantaten unterschieden. Geplant sind unter anderem der Aufbau eines „industriellen Metaversums“, BCI-gesteuerte Roboter, Pilotprojekte in Hochrisikobereichen wie Bergbau, Kernenergie oder Gefahrguttransport sowie Frühwarnsysteme zur Überwachung von Sicherheitsrisiken am Arbeitsplatz. Parallel werden BCI-Technologien im Gesundheits- und Pflegebereich eingeführt.

Studie zum Download

Im März 2026 wird der 15. Fünfjahresplan (2026–2030) veröffentlicht, der die strategischen Vorhaben und Zielsetzungen im Bereich Künstliche Intelligenz und Robotik für die kommenden fünf Jahre festlegt. Dazu wird ein weiterer Research Insight organisiert, in dem wir die zentralen Inhalte und strategischen Schwerpunkte näher beleuchten wollen.

AK Wien