Die Plattform Industrie 4.0 informiert im „DPP Check-In“ regelmäßig zu Neuigkeiten zum Digitalen Produktpass (DPP). In diesen Check-Ins fassen wir konkrete Updates zu den unterschiedlichsten Aspekten zusammen und schaffen einen Raum für Diskussion, Austausch, und Fragen.
Am 13. Jänner 2026 fand der zwölfte DPP‑Check‑In der Plattform Industrie 4.0 Österreich statt. Das Format bietet weiterhin einen kompakten, transparenten Überblick über die dynamische Weiterentwicklung des DPP sowie die relevanten europäischen und internationalen Entwicklungen. Auch dieses Mal stand eine Mischung aus regulatorischen Updates, Projektfortschritten und einem technologischen Fokusthema im Mittelpunkt.
Aktueller Stand: DPP & ESPR
Der DPP bleibt das zentrale Instrument der Ecodesign for Sustainable Products Regulation (ESPR). 2026 startet die Phase, in der produktspezifische Verordnungen folgen und die Umsetzung in Unternehmen zunehmend operative Relevanz gewinnt.
Die Standardisierung schreitet weiter voran:
- Die prEN‑Standards zu Data Exchange (18216), Unique Identifiers (18219), Data Carriers (18220), Storage & Persistence (18221) sowie API‑Spezifikationen (18222) und System Interoperability (18223) wurden zur Abstimmung freigegeben.
- Verzögerungen bestehen weiterhin in den sicherheitsrelevanten Standards prEN18239 (Access Rights & Security) und prEN18246 (Authentizität & Datenintegrität), die in der WG3 behandelt werden.
- Insgesamt wurden ca. 4.800 Kommentare bearbeitet – ein enormer Kraftakt aller beteiligten Expert*innen.
Der angestrebte Zeitplan sieht eine endgültige Verabschiedung der Standards bis Ende Q2 2026 vor.
EU‑Kommission zu DPP‑Register & Implementierung
Wichtige neue Eckpunkte der Europäischen Kommission:
- Einführung eines EU‑DPP‑Registers im Juli 2026.
- Ab Ende 2027 wird der DPP für weitere Produktgruppen verpflichtend, gemäß ESPR‑Arbeitsprogramm.
Ein klarer Hinweis: Die Umsetzung geht in die nächste Phase – von Konzepten zu operativen Strukturen.
CIRPASS‑2 & Circular Data Platform: Projekte als Motor der Umsetzung
Die Arbeiten im Leitprojekt CIRPASS‑2 laufen intensiv weiter:
- Fokus auf Pilotszenarien in Textil, Elektronik, Reifen und Bauwesen.
- Ziel bleibt die Demonstration funktionierender DPPs in realen Umgebungen sowie die Bereitstellung praxisorientierter Materialien für KMUs.
Neue Publikationen und Ergebnisse der CIRPASS‑2‑Arbeitsgruppen beleuchten zentrale Fragen:
- Granularitätsmodelle für Textilien (Modell–Charge–Artikel).
- User Stories des DPP‑Systems als Brücke zwischen ESPR‑Anforderungen und technischer Architektur.
- Ergebnisse der EWG5‑Umfrage zu Status, Hindernissen und Bedürfnissen verschiedener Branchen.
Auch die Circular Data Platform bleibt zentral:
- EU‑Konsultationen zur Rolle des DPP in Zoll‑ und Marktüberwachungssystemen.
- Diskussionen zur Integration von Produktkonformität in den DPP.
Diese Entwicklungen zeigen: Der DPP bekommt eine zunehmend systemische Rolle – weit über Nachhaltigkeitskennzahlen hinaus.
EU‑Politik: Wichtige neue Veröffentlichungen (Dezember 2025)
Mehrere bedeutende Dokumente aus Brüssel beeinflussen die kommenden Monate:
Bausektor & Digital Building Logbooks
- Die neue CPR‑Strategie (2026–2029) verankert den DPP als Informationsbasis über die gesamte Wertschöpfungskette.
- In der European Strategy for Housing Construction wird der DPP als „Booster der Digitalisierung“ und Basis für Digital Building Logbooks definiert; Pflicht ab 2028.
Omnibus VIII
- Vereinfachungen im Umweltrecht, aber keine Einschränkungen für den DPP.
- Überarbeitung der REACH‑Verordnung angekündigt.
Fokusthema: Open‑Source‑Software für den DPP – Beitrag von Leandro Navarro
Ein Highlight des Check‑Ins war der Vortrag von Leandro Navarro (UPC Barcelona) zur Frage, wie Open‑Source‑Technologien den DPP praktisch und global interoperabel machen können.
Kernpunkte:
- Nutzung von dezentralen Identifikatoren (DID) und Verifiable Credentials (VC) als technologische Basis für Identität und Datenintegrität.
- Open‑Source‑Bausteine wie IdHub, DeviceHub oder eReuse‑Werkzeuge als Grundlage für digitale Souveränität, Auditierbarkeit und Wiederverwendung von Elektronikprodukten.
- Verknüpfung des EU‑DPP‑Ökosystems mit globalen Initiativen wie dem United Nations Transparency Protocol (UNTP) zur Erleichterung des internationalen Handels.
Damit wird deutlich: Eine nachhaltige, interoperable DPP‑Infrastruktur wird ohne Open‑Source‑Technologien kaum möglich sein.
Weitere Aktivitäten & Events
Im Jänner und Februar 2026 stehen zahlreiche themenspezifische Webinare, Workshops und Austauschformate an – von ASI über ECLASS bis hin zu nationalen und internationalen Plattformen.
Besonders interessant:
- DigiPass‑CSA Open Call – Unternehmen können DPP‑Demonstratoren mit direkter Unterstützung entwickeln.
Fazit
Der Check‑In #12 zeigt klar:
- Die Standardisierung geht in die Zielkurve,
- die EU schafft die operativen Rahmenbedingungen,
- internationale Technologien und Open‑Source‑Ansätze wachsen zusammen,
- und CIRPASS‑2 sowie die Circular Data Platform liefern entscheidende Bausteine für Umsetzung, Klarheit und Praxistauglichkeit.
Der DPP entwickelt sich damit vom Konzept zum verbindlichen, europäischen und global relevanten Instrument.
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