Studienpräsentation: Technologischer Wandel & Ungleichheit

Welche Wirkungen hat der technische Wandel in Österreich auf die Beschäftigung und die Einkommensverteilung? Mit diesen Fragen beschäftigt sich eine Studie von POLICIES (Institut für Wirtschafts- und Innovationsforschung von Joanneum Research) und INEQ (Forschungsinstitut Economics of Inequality der Wirtschaftsuniversität Wien). Beauftragt wurde die Studie, die am 25.09.17 präsentiert wurde, vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT), der Arbeiterkammer Wien und der Magistratsabteilung 23 (Wirtschaft, Arbeit und Statistik) der Stadt Wien.

Die zentralen Ergebnisse der Studie:

  • Es ist zu einer nachhaltigen Steigerung der Forschungs-/Wissensintensität in der überwiegenden Mehrzahl der untersuchten Branchen gekommen – nicht jedoch schon zu einer neuen umfassenden ‚Digitalisierungswelle‘ in Form eines Anstiegs der IKT-Investitionen. In Bezug auf letztere ist der Verlauf viel uneinheitlicher (‚asynchron‘) über die Zeit und zwischen den Branchen.

 

  • Die Beschäftigungs- und Produktivitätsentwicklung verläuft eher entlang längerfristiger Trends bzw. der Konjunkturentwicklung entsprechend denn in Richtungen, die auf eine ‚technologische / technologisch induzierte Arbeitslosigkeit‘ hindeuten würden. Im Gegenteil wirken die Technologievariablen im Sachgütersektor in Kombination in der Regel positiv auf die Beschäftigung, im DL-Sektor nur die F&E-Intensität.

 

  • Die personelle Einkommensverteilung wird tendenziell ungleicher, wobei die höheren Arbeitslosenraten diese Entwicklung befördern, der gewerkschaftliche Organisationsgrad sie signifikant mindert. Der technologische Wandel hat hier zwar das Potential, die Ungleichheit zu erhöhen, dort wo der Anteil der F&E-Beschäftigung steigt, werden die Produktivitätsgewinne aber tendenziell gleicher verteilt. Generell weisen die F&E-intensiven Sachgüterbranchen eher niedrige Verteilungsungleichheit auf als der DL-Sektor. Dort scheinen die Technologievariablen aber in die Richtung einer Verringerung der Ungleichheit zu wirken.

 

 

  • Die funktionelle Einkommensverteilung wird tendenziell gleicher, was vor allem dem Rückgang der Gewinne in der Krisen/Stagnationsphase geschuldet sein dürfte. Die Technologieindikatoren haben hier einen tendenziell positiven Einfluss, allerdings stehen sie in komplexer Wechselwirkung untereinander und konkurrieren mit anderen Einflussfaktoren (Außenhandel). Diese Schätzungen sind aber deutlich weniger robust und mit Vorsicht zu interpretieren.

 

  • Die Studie bestätigt also die in der jüngeren Vergangenheit vorgebrachten Befürchtungen, dass der technologische Wandel zur steigenden Arbeitslosigkeit und zur wachsenden Ungleichheit der Einkommen beitragen könnte nicht. Im Gegenteil scheinen – wenn auch manchmal über komplexe, noch weiter zu untersuchende Wirkungszusammenhänge vermittelt und durchaus unterschiedlich zwischen der Sachgüterproduktion und dem Dienstleistungssektor – die Technologievariablen positiv auf Beschäftigung und Verteilung zu wirken. Die Gründe für steigende Arbeitslosigkeit und wachsende Ungleichheit liegen zumindest für die betrachtete Periode offenbar in anderen Faktoren.

 

  • Auf der Basis dieser Studie ist kein Urteil über die künftig möglichen Effekte des technologischen Wandels möglich. Diese mögen tatsächlich – wie an Einzelfällen der Anwendung von Künstlicher Intelligenz, Robotik und Automation durchaus beschreibbar – in der Zukunft zu einem neuen Produktivitätsschub (auch und gerade in den Dienstleitungsbranchen) führen. Die Ergebnisse deuten aber darauf hin, dass die Gesellschaft noch Gelegenheit hat, sich auf einen solchen Umbruch einzustellen.

 

Link zur Studie: Download

© Fotolia
Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Share on LinkedInEmail this to someone